Regula Gerber und Alexander Seer gründeten 1984 die Rampe als ein freies Theater der Stadt Stuttgart. In den darauffolgenden sechs Jahren versammelten sie ein Ensemble von 20 Mitgliedern um sich, das mit seinen Aufführungen die Positionierung der Rampe in der überregionalen wie auch regionalen Theaterlandschaft entscheidend prägte. Auf dem Spielplan standen sowohl Klassiker als auch neue deutsche Dramen. Schon damals stellte die inhaltliche Konzeption der Rampe den Versuch dar, Schauspielliteratur von der Antike bis zur Gegenwart neu und herausfordernd zu adaptieren, ein Versuch „das Theater immer wieder zu dem Ort zu machen, an dem sich unsere Gegenwart im Vergangenen wiederspiegelt“ .

Der Zerfall der großen deutschen Theaterensembles der 80er Jahre und der notwendige, aber nicht erfolgte Generationswechsel der künstlerischen Leitungen, führten dazu, dass einige große Häuser in teilweise inhaltslos gewordenen Strukturen festgefahren waren. Die deutschen Stadt- und Staatstheater verloren während Gerbers Leitungsperiode an Strahlungskraft, die kleinen Theater gewannen an Popularität und Bedeutung. Auf diese Weise erhielt das Theater Rampe immer mehr Zulauf von jungen Künstlern aus Staats- und Stadttheatern. Einer von ihnen war Alexander Seer, der nach seiner Arbeit als Assistent und Regisseur am Wiener Burgtheater an die Rampe gekommen war.

1988 musste die Rampe wegen Eigenbedarfs des Besitzers ihr damaliges Theater räumen. Mit Hilfe des Kulturamtes der Stadt Stuttgart sowie dem Baden-Württembergischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst wurde ein neues Theatergebäude gefunden – der alte Zahnradbahnhof in der Filderstraße – welches auf Initiative von Dr. Roland Batzill, Vorstandssprecher der Stuttgarter Strassenbahnen AG, und dem damaligen Oberbürgermeister Manfred Rommel umgebaut wurde.


„Jeden Tag fährt eines der bekanntesten Stuttgarter Wahrzeichen ein und aus, die Stuttgarter Zacke. Dieses Theater ist nämlich auch – eine Garage. Hier schläft die Stuttgarter Zahnradbahn. Allabendlich wird sie in der nach hinten glasig offenen Halle geparkt, ein Riesenfoyer mit Schienen sozusagen […]. Das Theater ist durch diese Verkehrsader tatsächlich organisch mit der Stadt verbunden. Die Zacke ist ein öffentliches Verkehrsmittel, das den lange Zeit proletarisch geprägten Stuttgarter Süden mit der gutbürgerlichen Degerlocher Höhe verbindet. […] In Stuttgart ist die Gesellschaft vertikal geschichtet, sinnlicher als mit der Zahnradbahn ist das nicht erlebbar in dieser Stadt. […] Längst hat die Gentrifizierung im Stuttgarter Süden begonnen, zu Beginn der Intendanz von Hosemann bestand die Nachbarschaft vornehmlich aus den so genannten drei A’s: Arbeitslosen, Ausländern, Armen. Mäßig gewinnbringend waren die ersten Versuche zu Beginn von Eva Hosemanns und Stephan Bruckmeiers Intendanz, […] weniger theatervernarrtes Publikum mit sonntäglichen Kochvergnügen ins Haus zu locken, heute sähe das vermutlich anders aus.“

Golombek, Nicole: Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, muss der Prophet zum Berg gehen. Die Räume des Theater Rampe. In: Rothschild, Thomas (Hg.): Im Schatten der Zeit. Das Theater Rampe in Stuttgart 1998-2013. Berlin: Theater der Zeit 2013.


Seit 1992 im Depot einer Zahnradbahn untergebracht, hat sich das Theater Rampe in Stuttgart als ein künstlerisch avanciertes, zeitgenössische Ästhetiken förderndes Produktions- und Koproduktionshaus etabliert. Von 1998 bis 2013 hat Intendantin Eva Hosemann (bis 2004 gemeinsam mit Stephan Bruckmeier) das Haus als Autorentheater auf Gegenwartsdramatik konzentriert und damit wichtige Impulse für die Zusammenarbeit von Autoren und Theaterpraxis gegeben. Das Theater Rampe ist außerdem eine Plattform für freies Theater in Stuttgart.

Felicia Zeller, Sibylle Berg, Lutz Hübner, Andreas Sauter und viele mehr prägten den Spielplan. Theater im privaten Wohnraum war die Antwort der Rampe auf den Trend zur Eroberung des öffentlichen Raums durch die Theater in den Nullerjahren. Mit „Welche Droge passt zu mir“ eroberte sie Wohnzimmer und Salons der Stadt. Am Fernsehturm war die Autorensoap „Sex and the City“ ein breiter Erfolg.

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