PARADIES FLUTEN


von Thomas Köck | Tanz, Schauspiel, Musik

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Im Moment des Ertrinkens rauscht ein letztes Mal die Geschichte vorbei. Nahe und ferne, fast vergessene Erinnerungen an einstige Paradiese, zunächst kolonialisiert, später vom globalen Markt unterspült und mitgerissen, tauchen auf.

Die Indiofrau in Brasiliens Dschungel, allgemeiner Kautschukboom, eine mitteleuropäische Autowerkstatt, das geplante Opernhaus für Manaus sowie andere Utopien, die Kleinfamilie und sogar persönliche Erinnerungen des Vaters – sie werden noch einmal sichtbar, bevor alle endgültig versinken.

Tänzer*innen, Schauspieler*innen, Musiker*innen und Text triften durch eine enorme Flut bis zur völligen Erschöpfung allen Materials und damit bis zum Untergang des globalen Markts selbst.

Theater Rampe und backsteinhaus produktion haben das Treibgut der Flut sorgsam aufgelesen und in einem Museum des Kapitalismus arrangiert. Die Exponate datieren von 1890 bis 2017 und sind das Gedächtnis einer Epoche des Überflusses und Untergangs.

Aufführungsdauer: circa 110 Minuten ohne Pause

Aufführungsrechte: Suhrkamp Verlag, Berlin

Koproduktion von Theater Rampe und backsteinhaus produktion im Rahmen einer zweijährigen künstlerischen Kooperation

Gefördert im Rahmen der Konzeptionsförderung durch den Landesverband Freie Tanz- und Theaterschaffende Baden-Württemberg e.V. aus Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg sowie von der Stadt Stuttgart

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Pressestimmen

„Paradies fluten“ ist eine Art szenische Lesung. In der Rampe gelingen auch dann intensive Momente, wenn Köcks kritische Endzeitanmerkungen Schleifen drehen. Eigentlich müsste das Futur II die Sprache dieses Stücks sein, dem ersten Teil einer Klimatrilogie. Sein Prolog spielt im Foyer der Rampe, zu diesem Anlass als „Museum des Kapitalismus“ gestaltet. Reifen baumeln von einem Galgen, ein Autowrack harrt dem Untergang der Zeit, die es hervorgebracht hat. Fast zynisch beginnt der Abend, wenn es ums Verglühen der Sonne geht, das alles menschliche Bemühen in Lava verwandelt haben wird. Bis dahin ist noch Zeit für gutes Theater. Also nicht verpassen.“ Stuttgarter Nachrichten, 19.09.16

„Kolonialismus, Globalisierung und Demenz sind die Themen, die eine große Flut als Erinnerungsfetzen vorbei spült. Wie bei einem Hörspiel mischt Köck Regieanweisungen und Sprechtext ohne Punkt und Komma zu einem gedankenprallen Ganzen,in dem Rollen verwischen: Ein Architekt kehrt wieder und rutscht wie ein Pinguin durch den brasilianischen Sumpf, dem er ein Opernhaus abringt. Daneben ist im Geflecht einer Familie Platz für Systemkritik: Die Selbstverwirklichungsträume des Vaters, der eine eigene Kfz-Werkstatt braucht, frusten die Mutter; die Tochter hat Existenzängste, da ihre Karriere als Tänzerin wie in der Kunst üblich querfinanziert ist.“ Stuttgarter Zeitung, 18.09.16