PROBEN FÜR DIE GEGENWART


Regie-Werkschau der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg

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Wie nehmen junge Künstler Gegenwart wahr? Überschlagende Weltereignisse, komplexe Wirklichkeiten, globale Vernetzung prägen die Gegenwart, die es ästhetisch zu bearbeiten gilt.

Junge Regisseur_innen, Studierende an der Akademie für Darstellende Kunst in Ludwigsburg, nehmen diese Herausforderung an. Sie begegnen ihr mit Utopien, steigen aus gewohnten Perspektiven aus und zeigen Lust am Komplexen. Gemeinsam mit ihren Künstlerteams und Ensembles der Studierenden errichten sie an der Rampe ein Labor der Zeitgenossenschaft und entwickeln theatrale Projekte – Exkurse, Experimente, Einblicke in die Theaterwerkstatt.

Es präsentiert sich das dritte Studienjahr Regie mit drei unterschiedlichen Positionen – der installativen Arbeit APOKALYPSE NOW: DER VERLUST DER SCHULD, dem theatralen Ergebnis einer Recherchearbeit GESTERN, HIER UND JETZT sowie der Inszenierung von Wolfram Lotz‘ EINIGE NACHRICHTEN AN DAS ALL. Elf weitere Produktionen zeigen der erste und zweite Jahrgang Regie. Alle zusammen begegnen mit ihren Künstlerteams und Studierenden Schauspiel und Dramaturgie der ADK sowie Kostüm- und Bühnenbild der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart dem Thema „Gegenwart“ mit Utopien und steigen aus gewohnten Perspektiven aus.

Ein zeitlicher Ablaufplan des Abends findet sich hier.
Präsentiert werden (in alphabetischer Reihenfolge):

COMEBACK (Film)

Der Wecker klingelt. Schnell alles packen, denn die Nacht ist kurz. Die Stirnlampe nicht vergessen. Auf das Fahrrad und dann los. Hundert Meter vorm Ziel gehen alle Lichter aus. Handy aus. Ich nähere mich. Dann fange ich an – leise und schnell.

Regie Faraz Baghaei

DAS BÖSE (Film)

Welche Vorstellung haben wir von dem Bösen? In welchen Kontexten taucht das Böse auf? Diabolisierung und Feindbilder: sie verschwimmen zunehmend. Befragungen verschiedener Menschen, was für sie persönlich das Böse bedeutet und wo es ihrer Meinung nach herkommt. – Jeder hat die Möglichkeit, das Böse in einer kleinen Kabine zu treffen.

Regie Anna Elisabeth Frick

DAS LETZTE ENDE – EINE VERSCHWENDUNG
von Susanne Brendel, Jasmin Schädler, Julia Schäfer

„[…] der Mensch [hat] von allen Lebewesen die größte Fähigkeit, intensiv und luxuriös den Energieüberschuss zu verzehren…“
(Georges Bataille, Die Aufhebung der Ökonomie)
Nachdem der Erhalt und das Wachstum gesichert sind, muss die restliche Energie verschwendet, also der Nützlichkeit entzogen werden. Verschwendung ist etwas Natürliches und Positives. Bald ist der Weltuntergang zu Ende und dann beginnt das Leben. Wir feiern die Apokalypse und offenbaren uns der Welt.

Video Julia Schäfer Musik Jonas Bolle, Timm Roller Assistenz Raum Ben Gräbner

DER AMEISENZYKLUS

Hannah Arendt, Foucault, Girard und Byung-Chul Han.
Was haben sie alle gemein? – Die Gewalt.
Was haben sie mit uns gemein? – Die Gewalt.
Und was verbindet uns mit ihnen? – Der fabelhafte Ameisenzyklus.

Mit Stefan Hornbach Figurenspiel Tanja Höhne Regie Anna Renner

DIE MEISTEN THEATERLEUTE SIND (NATÜRLICH GIBT ES AUSNAHMEN) ARSCHGESICHTER (Szenen aus „Der große Marsch“ von Wolfram Lotz)

Das war es! Das war die Wahrheit! Wir haben hier die Wahrheit gesehen! Wir haben hier die Wahrheit gezeigt! Die Wahrheit wurde gezeigt!
Wer die Wahrheit nicht ertragen kann
Der hätte nicht hierherkommen sollen!
Wer die Wahrheit nicht ertragen kann
Der kommt dann eben nicht her!

Mit Lea Beie, Esra Laske, Lara Scherpinski* Regie Max Schaufuss Ausstattung Lara Scherpinski*

DORT IST ER ZUHAUS
nach „Der Freund krank“

Irgendwo jenseits der B1 liegt seine Heimat.
Das ist er. Oder das ist er mal gewesen.
Das Werk schickt eine Wolke Kindheitserinnerungen in Form eines olfaktorischen Abbilds von synthetischem Karamell.
Er kehrt zurück, um sich um seinen besten Freund zu kümmern.
Mirko – der einfach nur da liegt und nichts tut. Und keiner weiß warum.
Mirko atmet.
Die Aromafabrik wurde geschlossen. Das Werk wurde geschlossen. Die Stadt löst sich auf.
Mirko atmet immer noch.

Mit Tobias Loth Regie Annika Schäfer

EINIGE NACHRICHTEN AN DAS ALL
von Wolfram Lotz

„Wir befinden uns in einer Explosion, ihr Ficker“
Wolfram Lotz fordert das unmögliche Theater, um mit der Fiktion die Realität in Frage zu stellen. In seinem Stück fordern Lum und Purl vom Leiter des Fortgangs ein Kind. Dieser aber ist für die Struktur des Abends zuständig und in der kommen Lum und Purl gar nicht vor, sondern nur Personen aus Historie und Medien. Diese sollen einige Nachrichten an das All schicken, über das Menschsein, gebündelt in einem Laserstrahl, der jedoch an der Theaterdecke zerberstet.

Mit Catherine Janke, Ioachim Zarculea, Katharina Wittenbrink, Konstantin Morfopoulos, Petya Alabozova, Sophia Hankings-Evans, Tobias Hübsch Regie Sören Hornung Bühne und Kostüm Clara Nothdurft* Dramaturgie Bastian Boß Bühne und Kostüm Assistenz Pia Pospischill*

GESTERN, HIER UND JETZT

Sieben Menschen, sieben Notizbücher, 17 Stunden absolute Entschleunigung. Was passiert mit uns, wenn wir unsere Umgebung zu Worten werden lassen, uns ungefiltert dem Alltag hingeben? Die Agentur zur Alltagsveredelung hat es ausprobiert und präsentiert, was Gestern, Hier und Jetzt passiert!

Mit Melina von Gagern, Christian Müller, Constantin Petri, Peter Posniak Regie Philine Pastenaci Dramaturgie Mona Rieken Ausstattung Tamara Priwitzer

HALT DIE FRESSE BIS DU WAS VERÄNDERT HAST!
oder Der Stammheimer Kreidekreis oder ZERSCHRAMMTE KNIE – Ein Revolutionsspiel
nach „Ulrike Maria Stuart” von Elfriede Jelinek

Ach wie gerne hätten wir die repressiven ideologischen Apparate selber noch erlebt, doch diese Offensivposition gab es nur für dich, wir hatten nicht die Wahl. Sonst hätten für die Illegalität wir uns ja auch entscheiden können. Du, Mami, sagst, inzwischen sei was weiter, wären wir alle weiter, na du spinnst wohl! Zerfallende Utopien stranden im Pfand der Zeit. Das Gefühl, wenn man sagen würde was los ist, wenn man das rauslassen würde, das wäre…

Von und mit Anna Gesa-Raija Lappe, Lukas Maser, Louis von Klipstein Regie Lukas Maser

JEMAND HAT MICH BETROGEN UND ICH WEISS NICHT WER ES WAR
nach Luft aus Stein – Anne Habermehl

Es ist kein Rätsel, oder? 2012 fährt A mit P gegen die Wand. Tunnel, Klinik, Park. Love, voll mit Absicht gegen die Wand. Angekommen. Ist ja der Wahnsinn! 2013. P kann wieder sprechen. Oder doch… nicht? Es ist die Geschichte eben… und dann… schlimm, Krise, Krise überall! Krieg der Traurigkeit etc., … 2015. A+P sehen sich wieder. Über dem Tunnel + im Park (gleichzeitig! beide?!) – waren doch Kinder jetzt wirklich sind wir das nicht? Ich hab dich vermisst. Ich dich auch. Hör auf! Das ist Liebe du A! (weil der Park auf dem Tunnel wächst) – schade, jetzt hab ich mich so auf das Rätsel gefreut!

Mit Laila Richter, Janosch Fries Regie Amelie Hafner Bühne Lukas Krämer

JUDAS
von Lot Vekemans

Judas kommt nach zwei Jahrtausenden wieder auf die Erde und sucht das Gespräch. Er will nicht länger als die Inkarnation des Bösen gehalten werden. Er will erkannt werden. Judas scheinbar unmotivierter Verrat macht ihn zu einer willkommenen Projektionsfläche. Für Feindbilder. Unsere gegenwärtige Vereinfachung in der Benennung des Feindes sagt letztlich mehr über uns aus als über unseren Feind.

Mit Tobias Loth Regie Anna Elisabeth Frick

KNOTENPUNKT. AN DER MÜNDUNG VOM GEDANKENFLUSS

Ritalin, das Wundermittel gegen ADHS, hat seinen Namen von der Frau seines Erfinders. Die hieß nämlich Rita. Um sich beim Tennis besser zu konzentrieren, warf sie sich die Pillen ein. Siebzig Jahre später, jetzt, dopen sich Studenten vor der Prüfung unter der Hand mit Ritalin. Sollte man das legalisieren? So oder so gilt: Fokus! Am Ball bleiben, Rita. Immer am Ball bleiben.

Mit Jens Lamprecht, Johanna Stenzel*, Wilke Weermann Regie und Text Wilke Weermann Ausstattung Johanna Stenzel*

MAMA MACHT’S NICHT MEHR LANGE (Hörspiel)

Reden kannst du // wenn du lebst // und tief in den Bauch atmen // wenn du tot bist // Sie hat Geige studiert und wollte nachts über einen Zaun klettern. Sie trug den Verlobungsring ihrer Oma, als sie auf dem Boden aufkam, hatte sie keinen linken Ringfinger mehr. Inzwischen hat sie umgelernt, streicht links, greift rechts. Und ich hab’s nicht angesprochen, nicht… Ich weiß nicht wie reden über solche Verluste // Bauchspeicheldrüsenkrebs // Ich muss den öfter besuchen, sonst wälzen wir jedes Mal die ganz großen Themen.

Regie Amelie Hafner

VAGINA DENTATA. DAS MUSCHITIER
nach Ewald Palmetshofer

In der Ödnis einer ausblutenden Kleinstadt lauert Erika. Sie, das Mädchen, wartet unter den giftigen Blicken der Nachbarn, lauert auf Reinhard. Nichts ahnend besucht der nach langer Zeit seinen Vater, den pensionierten Direktor. Und als beide Männer ihre Geschichte beenden wollen, übernimmt Erika und zeigt Reinhard, dass dem Mädchen, das er vergewaltigt, unten Zähne gewachsen sind. Eine Geschichte über sexuelle Gewalt und Vertuschungsmechanismen.

Mit Jens Lamprecht, Dario Neumann, Ann-Christin Müdner Regie Wilke Weermann Ausstattung Johanna Stenzel*

 

* Student_in der Bühnenbildklasse, Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart

In Kooperation mit der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart und Theater Rampe

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