RAMPE REIST: ICH, DEIN GROSSER ANALOGER BRUDER, SEIN VERFICKTER KATER UND DU


von Felicia Zeller | Uraufführung am Staatstheater Saarbrücken

Er wurde hereingelassen. In die Wohngemeinschaft. Mit seinem Kater. Steht nun manchmal einfach da, schaut, fragt und notiert und macht sich unentbehrlich. Harmlos, dachten sich die Mitglieder dieser wohlfunktionierenden Lebensraum-Kombo. Ein Bruder, irgendwie. Doch sein Interesse für die Bewohner und ihre Gewohnheiten hat Folgen: er ist allgegenwärtig und beginnt die Spielregeln an neu aufzustellen. Bis hin zum geänderten Mietvertrag, der die Mitbewohner um ihre Rechte bringt und den analogen Bruder langsam zum Übervater werden lässt – nicht einmal mehr intim werden kann man, ohne dass der impertinent neugierige Kater es mitkriegt. Vielleicht wollen zur Abwechslung doch alle wieder etwas verbergen dürfen?

So absurd-amüsant diese collagehaften Episoden zwischen Hilflosigkeit und Hysterie aus dem Innenleben einer Wohngemeinschaft erscheinen, so beängstigend wirklich sind sie. Diese Szenen einer Gemeinschaft, die sich in Abhängigkeit zum großen analogen Bruder begibt, diesem fleischgewordenen Big Data, erzählen von uns heute, von unseren Spuren, die wir in World Wide Web hinterlassen. Sie werden Felicia Zeller zur Piste, um von Konsum, von bereitwillig akzeptierter „Alltagsspionage“, von Zwang und Entmündigung durch Algorithmen und weiteren durchleuchtenden Eingriffen des Digitalen ins analoge Dasein zu erzählen.

Koproduktion von Theater Rampe Stuttgart und Saarländisches Staatstheater Saarbrücken

Mit
Barbara Behrendt
Cino Djavid
Niko Eleftheriadis
Yevgenia Korolov

Regie
Marie Bues

Ausstattung
Indra Nauck

Dramaturgie
Bettina Schuster-Gäb

[ Hintergrundbild ]