ICH BIN NICHT BEREIT, GERETTET ZU WERDEN*


*Frank Castorf, Der Spiegel, 28.4.2020 | Uraufführung von Sivan Ben Yishai

Und bevor wir aufstehen für die »Ich bin mir meines Privilegs bewusst«-Hymne, kurze Pause: Essen ist fertig, der Spargel steht schon auf dem Tisch und nach dem zweiten Dish treffen wir uns pünktlich um 19 Uhr auf dem Balkon und applaudieren den Pfleger*innen, die sterben – als Teil des Jobs, die sterben – damit ihr leben könnt, die sterben – und »es ist immer traurig, wenn ein Mensch stirbt (…) aber es ist der Lauf der Dinge, den wir akzeptieren müssen«; Richtig: Akzeptanz! Das Drama ist vorbei, bye, thx, next! Und jetzt klicken wir auf den »Care«-Button, because we care, und jetzt klicken wir auf den »Soli«-Button (coming soon auf deinem lokalen Facebook), der Kapitalismus hat sich seine Gegner*innen wieder einverleibt, Vulnerability ist der Hype, Empathie ist jetzt ein Slogan und hey: Frau Merkel! Können wir bitte das weinerliche Gesicht loswerden? Wir brauchen einen Anführer, keine Nanny! #freedom #MyLifeMatters #ReOpenDieFriseursalons

Eine performative Collage, erarbeitet von Privilegierten (die wissen, dass sie es sind) (und sich dessen bewusst sind) (sehr bewusst) (dass sie aus einer privilegierten Position sprechen) (und sprechen) (und sprechen) (und immer weiter sprechen).

Dauer: 40 Minuten

Premiere: 5.9.2020, Kunstfest Weimar (Alte Feuerwache)


Eine Produktion von Kunstfest Weimar in Koproduktion mit Theater Rampe.

Mo 30.11. 00:00
ICH BIN NICHT BEREIT, GERETTET ZU WERDEN*

*Frank Castorf, Der Spiegel, 28.4.2020 | Uraufführung von Sivan Ben Yishai